Ein Informationsabend am 8. März in St. Ulrich gab den Auftakt zu einer breit angelegten Diskussion mit Bürgerbeteiligung zu den Nachhaltigkeitszielen des Landes Südtirol.
Nachhaltigkeit ist für die Anwesenden ein wichtiges Thema, das zeigte die spontane Umfrage unter den 120 anwesenden Bürgerinnen und Bürgern vor Ort (4,4 von 5 Punkten). In Wirtschaft und Innovation so- wie Bildung und Kultur stehe Südtirol gut da, bei Natur und Umwelt dagegen weniger, so die Meinung der Anwesenden. Herausforderungen für Südtirol in puncto Nachhaltigkeit seien Verkehr, Klimawandel, soziale Gerechtigkeit, Overtourismus und Fachkräftemangel.
Anhand von Studienergebnissen zeigte Professor Psenner, Präsident der Eurac Research, verschiedene Umweltentwicklungen und entsprechende Herausforderungen auf, etwa die Erderwärmung oder die Landnutzungsänderung. "Von der Umsetzung von Maßnahmen zum Umwelt- und Klimaschutz bis zur Rückkehr in den vorherigen Zustand braucht es oft Jahrzehnte“, betonte Psenner und verwies darauf, dass es jetzt darum gehe, den Übergang zu schaffen.
Nachhaltigkeit umfasse ökologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Aspekte, für die es ein Gleichgewicht zu finden gelte, damit die Gesellschaft Lebensqualität finde, unterstrich Bürgermeister Tobia Moroder. Da sich Gröden sehr rasant entwickelt habe, sei es nun schwierig, einen Schritt zurückzugehen, sagte Moroder.
Landeshauptmann Kompatscher betonte: "Wir wollen klimaneutral werden, richtig klimaneutral – vor 2050!" Es gelte, künftig ressourcenschonender zu leben und zu wirtschaften, was nicht unbedingt Verzicht bedeute, aber eine Konzentration darauf, was wirklich gebraucht werde. Um dem akuten Aussterben von Tieren und Pflanzen entgegenzuwirken, müssten Naturräume geschützt werden. In Südtirol sei man dabei auf gutem Weg, denn ein Viertel der Landesfläche sei bereits geschützt, aber auch die Landwirtschaft sei neu zu gestalten, sagte Kompatscher. "Wir laden alle ein, beim Ausarbeiten des Grundsatzpapiers zur nachhaltigen Entwicklung und bei dessen Umsetzung mitzumachen, um Südtirol auch für die Zukunft lebenswert zu gestalten", hob der Landeshauptmann hervor.
Mobilität als Grundbedürfnis solle gemein- sam nachhaltig gestaltet werden, unter- strich Mobilitätslandesrat Alfreider. Dafür würden Verkehrswege genau analysiert und wo immer möglich der Umstieg auf saubere und sanfte Mobilität gefördert. Um vom Privatauto als Hauptmobilitätsmittel wegzukommen, werden laut Alfreider die Dienste für Bus und Zug potenziert und die Fuß- und Radmobilität gefördert.
Bei den Fragen der Bürgerinnen und Bürger ging es vor allem um Mobilität und Tourismus. Für ein neues Mobilitätsmanagement für die Dolomitenpässe brauche es digitale und rechtliche Voraussetzungen und die verstärkte Zusammenarbeit der betroffenen Regionen und Gemeinden. Für 2022 sind mehrere Maßnahmen vorgesehen, unter anderem genauere Kontrollen und Lärmmessungen bei den Motorrädern und Autos sowie Eingriffe gegen das "wilde" Parken. Alfreider erläuterte dazu: "Ein- greifen müssen wir nicht erst auf den Pässen, sondern bereits davor durch Besucherlenkung". Langfristiges Ziel sei eine Zutrittsbeschränkung. Große Events wie die Skiweltmeisterschaft sollten als Chancen genutzt werden, um in nachhaltige Mobilität zu investieren, sagte der Mobilitätslandesrat. Für eine Grödner Bahn gebe es seitens der STA zwar eine Trassenstudie, aber aktuell keine Finanzierung.

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